Die US-Army vor der Pleite – Europa soll die Last tragen

US-Army im Irak

US-Army im Irak. Bild: Flickr / US-Army CC-BY 2.0

Den USA geht es nicht schnell genug. Den USA laufen die Budgets weg. Den USA brechen die militärischen Versorgungen weg. Deswegen der Druck auf Europa. Die USA müssen seit Ende 2011 mit einem beschränkten, offiziell sequestrierten Militärhaushalt zurecht kommen. Alle Waffengattungen leiden unter dramatischen Einschränkungen und die Stimmen werden lauter, dass die USA ihre „Verpflichtungen“ der Weltsicherheit bald nicht mehr aufrecht halten kann. Die Logik dahinter ist einfach zu verstehen: wer überall zündelt, hat bald kein Feuer mehr.

Von Henry Paul

Das U.S. European Command hat Mitte Februar ein imposantes Statement zur Europa-Sicherheit abgeliefert. Große Worte, große Beschwichtigungen, große Versprechen und große Szenarien. Alles ziemlich windig! Den USA geht die Sequestrierung aller Militärhaushalte gewaltig auf den Senkel. Nicht nur, dass der militärisch-industrielle Komplex sich massiv beschwert, sondern die Waffengattungen selbst motzen mittlerweile ob der Kürzungen. Da die USA pleite sind wie man pleiter nicht sein kann, ist die angeordnete Zwangsverwaltung auch der Militärausgaben ein logischer Schritt. Dass die US-Administration, also der Präsident und die Parlamente das nicht mittragen wollen – aber müssen – ist tragikomisch. Im Washington-Stadel spielt gerade der dritte Akt. Im ersten braust der Bürgermeister noch wahnsinnig auf. Im zweiten Akt wird er vom Opponent ausgebremst. Nun im dritten Akt kommt der Sequester und konfisziert die Waffen. Die sind zwar sowieso veraltet und technisch nicht up-to-date, aber man hat sich so daran gewöhnt.

Der Reihe nach. Die USA müssen in der NATO stark, verpflichtend und fähig sein, um die Stabilität und den dauerhaften Frieden in Europa gewährleisten zu können. Die Luftstreitkräfte sollten (sollten!) verstärkt werden, die Bodentruppen und die Marine-Bereitschaft akut bereit sein. Von all dem ist leider wenig zu spüren. Die Air Force hat jetzt schon im zweiten Jahr 10-12 Prozent ihres Equipments verloren, der Rest ist älter als brauchbar und die gesamte Luftstreitmacht sieht gegenüber dem Feind Russland ziemlich betrippst aus – langsamer, teurer, altmodischer und gar nicht mehr kampferprobt.

„…Sequestration is „absolutely crazy,“ will hurt national security and make it „impossible“ for the United States to meet its global commitments, according to the chairman of the Joint Chiefs of Staff. The world has changed dramatically since sequestration was passed into law in the Budget Control Act of 2011, Army Gen. Martin E. Dempsey said..“.

„… Today’s Air Force is not only smaller, but its diminutive fleet is older than it has ever been, the service’s chief of staff said today in remarks at the Senate Armed Services Committee..“

Tatsächlich, eine schon interessante Feststellung: noch 1990 bestand die Air Force aus 188 aktiven Gefechtseinheiten, heute sind es gerade noch 54! In 1990 hatte die Air Force 510.000 Mann unter Waffen, heute sind es nur noch 300.000. Die Schlagbereitschaft ist aufgrund der nicht mehr existenten Extra-Module dahin. Das heißt, dass bei einem Angriff die Air Force erst nachschauen muss, wo und wer bereit ist, countre-measurements (Gegenschläge) ergreifen zu können. Die armen Jungs in den chicen blauen Blousons!

Die European Reassurance Initiative (europäische Beruhigungs- und Versicherungsinitiative) soll angeblich 1 Milliarde Zusatzmittel bereitstellen, um alle Maßnahmen der NATO gegen den Aggressor Russland wirksam werden zu lassen. Zum Beispiel mit rotierenden Militäreinheiten in allen NATO-Standorten. Also, das muss man sich so vorstellen: in jedem Standort werden ausreichend Hallen, Hütten, Unterkünfte und Hangars gebaut und vorrätig gehalten, damit man, wenn eine US-Einheit wieder mal vorbeikommt, auch Platz für diese hat. Solche Potjomkin’schen Dörfer machen auf Balten-Ministaaten wahrscheinlich Eindruck, auf den Feind Russland sicher nicht.

Da die völkerrechtliche Vertragslage sowieso eine Perma-Stationierung in den Baltenstaaten nicht gestattet, kam die EUCOM auf die glorreiche Idee, immer wieder mit wechselnden Einheiten dort aufzuschlagen – einerseits, um die Verträge nicht einhalten zu müssen, andererseits um die nicht vorhandene NATO-Macht zu kaschieren. Selbst wenn alle europäischen Partner ihr Militärbudget um ein bis zwei Prozentpunkte (von max 3 Prozent des BIP!) erhöhen, kann man davon Pflanzkübel und Warnlampen kaufen, mehr nicht! Es ist ja auch gar nicht so schlecht, dass Europa insgesamt keine große Militärmacht mehr ist – wir benötigen das ja sowieso nur für die NATO. (Weiter auf Seite 2)


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Contra-Magazin

Washington hat im Irak das Tor zur Hölle aufgestoßen: Und jetzt sind die Furien losgelassen!

posted by diwini

 

David Stockman, der lange Jahre für die Republikaner im US-Repräsentantenhaus saß, sieht in der verfehlten Irak-Politik der USA und des gesamten Westens die Hauptursache für das Erstarken des ISIS.

Von David Stockman
David Stockman’s CONTRA CORNER, 01.08.14

Von Chalmers Johnson, dem (2010) verstorbenen, bedeutenden Kritiker des US-Imperiums, stammt der treffende Begriff des „Blowback“ (der nicht erwarteten negativen Rückwirkung unbedachter Maßnahmen). Damit meinte er, dass jeder Staat, der andere Staaten mittelbar oder unmittelbar bombardiert, mit Drohnen angreift, überfällt, verwüstet oder deren Bevölkerung abschlachtet, damit rechnen muss, dass ihm das eines Tages heimgezahlt wird.

Aber selbst Johnson konnte sich das gewaltige „Blowback“ nicht vorstellen, das jetzt mit ungeheurer Wucht auf Washington zurückschlägt. Dabei geht es vorrangig um das Chaos, das zur Zeit in weiten Teilen des Iraks mit Panzern, Schützenpanzern, schwerer Artillerie, Flugabwehrbatterien und anderen modernen Waffen aus den USA angerichtet wird, die in die Hände der radikalen Dschihadisten gefallen sind, die Washington angeblich in seinem Billionen Dollars verschlingenden „Krieg gegen den Terrorismus“ bekämpft hat.

Es steht außer Frage, die ISIS-Terroristen werden nicht nur das glücklose irakische Militär, sondern auch die gefürchteten kurdischen Peschmerga-Kämpfer besiegen, weil sie über einige der todbringendsten Waffen verfügen, die der militärisch-industrielle Komplex der USA je entwickelt hat.

Das hätte eigentlich nicht passieren dürfen. In den blutigen Jahren nach George W. Bushs (voreiliger) Erklärung „Mission accomplished“ (Auftrag erfüllt!) wurde das irakische Militär mit diesen Waffen ausgerüstet und daran ausgebildet, um sich selbst und den Irak verteidigen zu können. Die US-Streitkräfte waren angeblich nicht dazu da, das Land zu „besetzen“, sondern um die Bevölkerung, die sie „befreit“ hatten, bei der Umwandlung ihres Staates in eine „selbstverwaltete Demokratie“ zu unterstützen, die sich eigenständig um ihre innere und äußere Sicherheit kümmern sollte. Führende Politiker Washingtons – einschließlich des Präsidenten Obama – haben das in zahlreichen Reden immer wieder versichert. Das können Sie nachschlagen!

Leider, leider war der Irak noch nie ein einheitlicher Staat. Schon die Osmanen wussten, dass Schiiten, Sunniten und Kurden nicht in einem Parlament sitzen, sich einer Polizei unterordnen und schon gar nicht gemeinsam in einer Armee dienen wollen.

Deshalb blieb es den Außenministern Großbritanniens und Frankreichs vorbehalten, 1916 die im Sykes-Picot-Abkommen vereinbarten Grenzen zu ziehen und sich der historischen Illusion hinzugeben, dass sie damit den Staat Irak geschaffen hätten. Ihre Nachfolger installierten eine ganze Reihe korrupter und brutaler Herrscher, die Könige oder Generale waren, und hievten sogar Saddam Hussein an die Macht, der innerhalb der künstlichen Grenzen ein labiles, blutgetränktes Regime aufrechterhielt.

Dann kamen die US-Neocons und mischten sich aus unerfindlichen Gründen – angeblich zum Schutz der nationalen Sicherheit der USA – im Irak ein. Warum, bei Gott, wollten sie einen Regimewechsel? Sie hatten (in Saddam Hussein) einen zuverlässigen, bis an die Zähne bewaffneten Verbündeten, der ihnen nicht nur 6 Millionen Barrels Öl pro Tag lieferte, sondern auch einen Staat auf der „Achse des Bösen“ blockierte – die iranische schiitische Theokratie, die auch noch mit dem größten religiösen Block der irakischen Bevölkerung, den Schiiten, versippt war.

Karte Wikimedia, CC
Ungefähre Lage der Levante im engeren Sinne

Damit öffneten diese Narren das Tor zur Hölle. Durch die 20-jährige Kampagne Washingtons zur „Befreiung“ des Iraks, die mit dem ersten Golfkrieg (unter Vater Bush) begann, mit den verheerenden Handelssanktionen der 1990er Jahre fortgesetzt wurde, in dem brutalen „Shock and Awe“ (Schock und Entsetzen) verbreitenden Überfall des zweiten Bush einen vorläufigen Höhepunkt fand und in den folgenden Jahren zur Verwüstung des ganzen Landes führte, brachen alle latenten ethnischen und religiösen Konflikte und Feindseligkeiten, die jahrzehntelang durch das illusionäre Sykes-Picot-Staatsgebilde unterdrückt worden waren, wieder auf.

Jetzt sind die Furien losgelassen. Ironischerweise besteht der blutrünstige ISIS (dazu unbedingt hier lesen!) überwiegend aus Kämpfern,…

Quelle & weiterlesen: Nachtwandler