Pädophilie in unserer Gesellschaft – Der Fall Edathy

10. März 2015

netzfrauen.org

 

Edathy3Manchen ist unbegreiflich warum die Emotionen so hoch kochen an einem Fall, der eigentlich nur einer von vielen ist – leider. Kein Thema ist so emotional bewegend, wie das des Kindesmissbrauchs. Verschwörungstheorien werden geäußert, emotionale Artikel und noch emotionalere Beiträge dazu geschrieben usw. Außerdem stellen wir fest, genauso emotional wie dieses Thema ist, so sehr polarisiert es auch. Das ergibt eine große Reibungsfläche, die teilweise skurrile Formen annimmt, wie man auf Facebook nachlesen kann.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das Thema Missbrauch, das übrigens schon häufiger von uns aufgegriffen wurde, kurz von Lesern Beachtung findet und dann wieder vergessen wird. Übrigens ist das nicht nur hier bei den Netzfrauen so, sondern es geht vielen anderen Berichterstattungen zu dem Thema exakt genauso.

Es ist also immer und immer wieder das Aufkochen einer emotionalen Suppe, die weder lauwarm noch kalt schmeckt und in der Regel nach ein paar Wochen wieder vom Herd genommen wird. Wachrütteln ist hier also angesagt. In Folge dessen leben wir sehr gut damit, dass sich manche Leser über unseren Offenen Brief aufgeregt haben. [Offener Brief an Sebastian Edathy …Opfer haben lebenslänglich]. Abschließend dazu möchten wir uns letztmalig wie folgt äußern.

Warum das Verfahren von Herrn Edathy eingestellt wurde ist mit unserer Gesetzeslage in Sachen Kindesmissbrauch zu erklären aber nicht unbedingt auch zu verstehen. Um weiterer Spekulation, über die Fakten des Hauptverfahrens aus dem Weg zu gehen, möchten wir hier den Link zur Pressemitteilung vom Landgericht Verden anfügen.

http://www.landgericht-verden.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=13888&article_id=129302&_psmand=57

Des Weiteren ein Link zum Strafgesetzbuch (StGB)

  • 184c Verbreitung, Erwerb und Besitz jugendpornographischer Schriften

 http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__184c.html

ergänzend:

  • 176 sexueller Missbrauch von Kindern

 http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__176.html

Wir wünschen uns, dass sich so viele Menschen wie möglich dafür interessieren. Ansonsten ist zum Thema Edathy genug gesagt.

Einen Anlass für eine grundsätzliche Enthaltung bezüglich der Allgemeinen Lage von missbrauchten und misshandelten Kindern, sehen wir Netzfrauen aber keines Falls. Die diesbezüglichen Zahlen sind nämlich erschreckend.

Ein paar Zahlen und Fakten zum Thema sexueller Missbrauch und Misshandlung von Kindern.

Laut StBA sind Kindesmisshandlungen im Jahr 2013 mit 2 062 Fällen in der Strafverfolgung vermerkt. Insgesamt gibt es laut Polizeilicher Kriminalstatistik für das gleiche Jahr  4052 angezeigt Fälle. Die Dunkelziffer ist vermutlich um ein vielfaches höher. Das ist sehr hart, wenn man bedenkt, dass hinter jedem dieser Fälle ein Kinderschicksal steckt. Die Differenz zwischen den Werten macht deutlich, wie viele Anzeigen nicht zur Verhandlung kommen,  nämlich knapp die Hälfte.

Säuglinge haben seit Jahren das höchste Risiko durch Gewalt zu sterben. Es sind hier im Zeitraum von 2003 bis 2012 mehr als ein Drittel aller tödlichen Verletzungen auf Gewalthandlungen zurück zu führen, das heißt zirka drei bis vier Todesfälle auf 100 000 Säuglinge.

Im vergangenen Jahr wurden, laut der Deutschen Kinderhilfe, sogar täglich etwa 40 Mal Kinder Opfer sexuellen Missbrauchs – insgesamt wurden hier 14.877 Taten registriert, wohl gemerkt nur für das vergangene Jahr. Das ist eine unglaublich erschütternde Menge.

Es ist also angebracht die Aufmerksamkeit auf diese Tatsache zu lenken und zu halten und zwar sowohl in der Gesellschaft als auch seitens des Gesetzgebers. Denn sowohl das Strafmaß verglichen mit anderen Straftatbeständen, als auch die Strafverfolgung, weisen hier erhebliche und teilweise nicht nachvollziehbar Unterschiede und Konsequenzen auf. Warum das so ist können wir im Moment noch nicht detailliert nachvollziehen.

Abschließend sei noch ein etwas unüblicher Gedanke zu dem Thema laut gedacht.

Pädophilie

Der Begriff Pädophilie bezieht sich auf sexuelles Interesse von Erwachsenen an Kindern, die noch nicht die Pubertät erreicht haben. In unserer Gesellschaft wird allein das schon als Verbrechen bewertet. Wir geben hier aber zu bedenken, dass kein Mensch etwas für seine sexuelle Neigung kann.

Diese Vorverurteilung hat nämlich leider zur Folge, dass sich kein pädophiler Mensch, der diese sexuellen Fantasien hat, outen wird oder Hilfe, die es durchaus gibt, in Anspruch nimmt. Die Angst vor gesellschaftlicher Verfolgung ist hier nachvollziehbar riesengroß. So bleibt er mit seinen gefährlichen, pädophilen Fantasien allein.

Die Konsequenzen daraus stellen sich u.a. auch in den Statistiken dar. Es bleibt also ernsthaft zu überlegen ob es vernünftig ist weiterhin öffentlich und derb die Nase zu rümpfen bei der Vorstellung, dass jemand Kinder sexuell erregend findet.

Pädophile leiden oft selbst unter dieser Neigung und unterdrücken und bekämpfen sie  allein im stillen Kämmerlein, manchmal über Jahre hinweg. Das tun sie so lange, bis sich der Druck so gesteigert hat, dass er sich eventuell in einem tatsächlichen Missbrauch entlädt.

Pädophile sind aber so lange keine Täter, wie sie keine Tat begehen. Der Weg bis zur Entladung dieser Lust in einer tatsächlichen Tat, wird oft mit einem gefährlichen Kompromiss überbrückt, teilweise geht das eine sehr lange Zeit gut. Sie befriedigen sich zu diesem Zweck beim Ansehen kinderpornographischer Medien.

Hier beginnt allerdings schon das Problem. 1. Nutzt sich der sexuelle Reiz ab. 2. geben wir zu bedenken, wer sich diese Medien kauft und ansieht, ist mitverantwortlich dafür, dass Kinder zu diesem Zwecke missbraucht und gefilmt werden.

Was können solche Menschen also tun, wenn sie feststellen, dass sie Kinder sexuell erregend finden? Zunächst einmal kann man sagen was sie dringend nicht tun sollten – sich nämlich vor einem sexuellen Hintergrund kinderpornographische Medien ansehen und seien sie objektiv betrachtet noch so unverfänglich!

Für Menschen, die ihr Problem als ein solches erkennen, gibt es aber Hilfe.

https://www.kein-taeter-werden.de/ ist eine Webseite zu diesem Thema, die unter Anderem kostenlose Therapien für Pädophile anbietet.

Die Menschen, die sich im Klaren sind, dass sie Hilfe benötigen, haben hier die Möglichkeit, z.B. auch vollkommen anonym, Hilfe zu erhalten.

Wie schon gesagt, ist keiner für seine sexuelle Neigung verantwortlich, sehr wohl aber für das, was er daraus macht.

Wir sollten zwar unsere Haltung zur Pädophilen im Allgemeinen kritisch und sachlich überdenken aber nicht vorverurteilen. Ein Problem verschwindet nicht, wenn es unterdrückt wird, weder in den Köpfen Pädophiler noch in unserer Gesellschaft.

Es ist besser, ein Licht zu entzünden, als auf die Dunkelheit zu schimpfen.

Konfuzius (551 – 479 v. Chr.), chinesischer Philosoph

Allerdings müssen wir unsere Augen unbedingt offen halten und unsere Kinder im Fokus. Denn nicht jeder Mensch mit einem Problem möchte auch dazu stehen und das bedeutet für uns ganz dringend wachsam sein! Unter diesem Aspekt betrachtet ist die Haltung, wie ich als Mensch mit Fehlern oder diesbezüglicher Neigungen umgehe, elementar maßgeblich dafür wie die Gesellschaft auf solch einen Menschen reagieren sollte. Erklärend für die Pädophilen möchte ich abschließend sagen, es ist wichtig…

Quelle, weiter, weiterführende Links & Adressen:

netzfrauen.org

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Kommentar: Zur Zukunft der Arbeit hat die Digitale Agenda nichts zu sagen

posted by diwini

 

 

dobrinth

Knapp 2000 handverlesene Personen aus der IT-Branche wurden für eine PEW-Studie zur Zukunft der Arbeit angesichts von Automatisierung und “Künstlicher Intelligenz” befragt. Sie macht deutlich, dass der Wandel der Arbeitswelt durch die Digitalisierung und damit auch der Wandel der Gesellschaft voranschreitet – mit gewisser Wahrscheinlichkeit sogar in drastischer Form. Die jüngst verkündete Digitale Agenda der Bundesregierung hat dazu nichts zu sagen.

Klar ist es einfach nur lächerlich, dass die Bundesregierung zehn Jahre zu spät eine Digitale Agenda vorlegt. Und dann noch so einen Nulltext, der von den drei “Internetministern” bei der Vorstellung mit Geschwafel über “Daten-Tsnuamis” und “Überwachung ist ein Kampfbegriff” flankiert wurde. Aber machen wir uns nicht vor – mehr war von der Koalition aus CDU, CSU und SPD nicht zu erwarten. Man könnte sich also achselzuckend abwenden.

Doch ist das Fatale nicht, dass eine ganze Dekade verschlafen wurde, sondern dass diese Agenda eben so gar nicht in die Zukunft weist. Neben all den bekannten Baustellen im Bereich des Digitalen zeichnet sich ab, dass in den nächsten zehn Jahren das Thema Automatisierung die Arbeitswelt gehörig durchschütteln wird – mit entsprechenden sozialen und kulturellen Auswirkungen.

Ja, das Buzzword “Industrie 4.0” taucht in der Digitalen Agenda auf und über “gute Arbeit” im digitalen Zeitalter werden ebenfalls Leerformeln verbreitet: “Die fortschreitende Digitalisierung schafft neue Tätigkeitsfelder und bietet Chancen für Beschäftigung.” Doch, um im Politikerdeutsch zu bleiben, sie bietet diesbezüglich auch einiges an “Herausforderungen”.

Denn glaubt man unter anderem der Anfang August erschienenen Studie “AI, Robotics, and the Future of Jobs” (komplett als pdf) des PEW-Forschungszentrum, wird es in den nächsten Jahren zu einer anhaltenden Erschütterung des Arbeitsmarkt kommen. Eine Entwicklung, die seit einiger Zeit immer mehr Beachtung findet. Constanze Kurz und Frank Rieger etwa widmen sich ihr in ihrem Buch “Arbeitsfrei”; The Economist brachte Anfang des Jahres den Text “The Future Of Jobs: The Onrushing Wave” im Zusammenhang mit einer Studie über die Wahrscheinlichkeit der “Computerisation” von 700 Berufe in den USA (pdf); die Website Quartz veröffentlichte zur besagten Studie eine interaktive Visualisierung. Und im aktuellen Heft des Spiegels geht es im Gespräch mit Andres McAffe, einem der Autoren von “The Second Machine Age”, um den “drohenden Untergang der Mittelschicht”. Der steht bevor, so wird befürchtet, weil die Automatisierung der Arbeitswelt diesmal nicht die Arbeitenden in den Fabriken betreffen wird. Sondern vermehrt auch Schreibtischjobs durch “Software-Roboter” eretzt werden, die durch “Künstliche Intelligenz” dazulernen.

Die PEW-Studie ist deswegen lesenswert, weil dort verschiedene Einschätzungen gleichberechtigt zu Wort kommen. Etwa die Hälfte der Befragten sieht die Automatisierung nicht als Bedrohung an und geht davon aus, dass der Wandel der Arbeitswelt abgefedert werden kann. Der andere Teil dagegen sieht enorme Probleme aufkommen, befürchtet eine starken Anstieg der Arbeitslosigkeit. Weitgehend einig sind sich beide Lager darin, dass der Bildungssektor sowie die politischen und wirtschaftlichen Systeme (in den USA) auf den bevorstehenden Wandel unzureichend vorbereitet sind: “Our educational system is not adequately preparing us for work of the future, and our political and economic institutions are poorly equipped to handle these hard choices.”

Ich neige zur Position, dass der Wandel zu schnell von statten geht, um einfach darauf zu setzen, dass quasi organisch neue Arbeitsfelder die schwindenden ersetzten. Vor allem wegen folgendem Argument: Während früherer Automatisierungswellen sich über Jahrzehnte entwickelten und Zeit dafür ließen, neue Arbeitsfelder entstehen zu lassen, ist diesmal die Geschwindigkeit des Wandels rasanter. Und vielleicht tiefgreifender – ein Beispiel: Angenommen in absehbarer Zeit wird es…

Quelle & weiter: NETZPOLITIK:ORG